Riesige vor sich hinrauchende Holzstöße haben über Jahrhunderte das Bild des Voldertales geprägt. Holz für die Saline in Hall dürfte schon im 13. und 14. Jahrhundert aus dem Voldertal geliefert worden sein. Nachrichten über Köhlereien im Voldertal gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Beliefert wurde aber nicht nur die Saline sondern auch die Metallindustrie, wie etwa das Hüttenwerk in Mühlau.

Auf den Melkböden gab es früher noch Wald und auch Kohlemeiler

Laut Walter Grabherr wurden schon Mitte des 16. Jahrhunderts die Voldertaler Wälder überwiegend zur Holzkohlenerzeugung herangezogen. Kohlemeiler gab es im Voldertal an verschiedenen Plätzen. Die höchst gelegenen waren im Bereich der Melkböden auf 2.200 Meter zu finden. Dort wo heute kein Baum mehr wächst, war im späten Mittelalter Wald. Auch die Steinkasernalm lag mitten im Zirbenwald. Bäume in steilen Schrofen oberhalb der Alm zeigen noch heute an, wo früher die Waldgrenze gelegen haben muss, so etwa im Bereich von 2.200 Meter. Oberhalb der Melkböden gab es auch damals keinen Wald mehr.

in den unzugänglichen Schrofen oberhalb der Steinkasern-Alm haben sich Reste des Baumbestands erhalten

Doch nur ein Teil des Holzes dürfte wie auf den Melkböden gleich an Ort und Stelle zu Kohle gemacht worden sein. Teilweise wurde das Holz auf dem Voldertalbach bis nach Volders transportiert. Dazu gab es drei Klausen, die das Wasser stauten und dann mit dem Schwall den Transport der Stämme ermöglichten. Die Holztrift in dem stark verblockten Bach muss eine recht mühsame Angelegenheit gewesen sein.

Hier gab es die oberste Klause

Die oberste Klause befand sich am heutigen Klausboden auf etwa 1.820 Metern Seehöhe. Noch heute sind letzte Reste des Bauwerks an der Engstelle im Bach wenige Meter vor der Steilstufe nach Schwarzbrunn hinunter zu erkennen.

Möglicherweise sind das die letzten Überreste der alten Anlage zur Holztrift

Eine weitere Klause gab es bei der nächsten Verebnung auf etwa 1.600 Metern Seehöhe bei Schwarzbrunn. Der Name „Schwarzbrunn“ hat ebenfalls wieder mit der Köhlerei zu tun. Das Wasser hier floss zwischen der Quelle und dem Brunnen durch die schwarzen Holzkohleschichten. Durch die filtrierende und absorbierende Wirkung der Kohle dürfte laut Grabherr das hier ohnehin schon sehr mineralstoffarme Wasser eine besondere Reinheit erlangt haben. Das Wasser war bis ins 20. Jahrhundert für Heilzwecke hoch geschätzt und fand auch im Volderwildbad Verwendung.

Hier etwa könnte sich die Klause von Schwarzbrunn befunden haben

Eine dritte Klause gab es im Bereich der Horberaste, also wo heute das Dörfl liegt, wenige hundert Meter von der Naturfreundehütte taleinwärts.

Im Bereich des heutigen Dörfls gab es ebenfalls eine Klause

Kohlemeiler gab es im Voldertal neben den Melkböden oder Schwarzbrunn noch an vielen weiteren Stellen, etwa am Klausboden, unterm Spitzwald, bei der ehemaligen Nößlachalm, im Bereich der Kohler-Aste sowie vor und nach der Stiftsalm.

Am Großvolderberger Gemeindemeiler

Oberhalb von Volderwildbad, direkt an der Straße in Richtung Krepperhütte, lag linkerhand auf 1.200 Metern Seehöhe der mächtige Gemeindemeiler vom Großvolderberg. Heute ist der ganze Hügel völlig von Fuchs- oder Dachsbauten durchzogen, die Tiere finden in dem weichen Material paradiesische Bedingungen zum Graben vor. Doch auch an anderen Stellen im Tal findet man immer wieder schwarze Böden mit Holzkohleresten wie etwa vor der Plattner-Aste oberhalb der Voldertalhütte.

Auch hier vor der Plattner-Aste könnte es einen Kohlemeiler gegeben haben

Die meisten Kohlemeiler gab es laut Grabherr westlich vom Voldertalbach, weil hier der Talweg verlief. Die Meiler waren rund und das Holz wurde aufgestellt. Sie hatten zwei genormte Größen, die von der Saline vorgegeben wurden. Ein Meiler brannte in etwa 20 bis 22 Tagen aus und lieferte 9.250 Kubikfuß Holzkohle. 150 Arbeitsschichten waren für einen solchen Meiler notwendig.

Der von Tieren bewohnte Gemeindemeiler Großvolderberg

Besonders ab 1760 herrschte in Tirol ein großer Mangel an Holz und Holzkohle. Die Kohle produzierenden Bauern wurden in dieser Zeit des Mangels zu eigenen Kohlbauern-Interessentschaften zusammengefasst. Zum Vermeilern nahmen sie alles mögliche her. So soll es im 18. Jahrhundert bei Schwarzbrunn noch viele Zuntern gegeben haben, die hier heute komplett fehlen und vermutlich vermeilert wurden. Ich habe im Voldertal überhaupt erst einen einzigen nennenswerten Bestand an Zuntern gefunden, nämlich nordwestlich vom Malgrübler auf etwa 2.200 Metern Seehöhe.

Um den Wald zu schonen wurden nach Möglichkeit überständige und dürre Zirben vermeilert

Die Köhlerei und Holzgewinnung im Voldertal wirkt sich heute noch auf die Landschaft aus, so weisen etwa die Zirbenbestände aufgrund früherer Kahlschläge stellenweise ein recht gleichmäßiges Alter auf oder sie fehlen ganz, wie auf den Melkböden. Im hinteren Voldertal vom Klausboden bis zu den Melkböden dürfte der geschlossene Wald im Spätmittelalter 300 bis 400 Höhenmeter weiter hinauf gereicht haben als heute.

Zuntern sind heute im Voldertal eine Seltenheit, teilweise vielleicht auch wegen der Köhlerei

Ab 1780 stellte die Saline Hall von Holz auf Braunkohle um. Damit war auch das Ende für die großen Köhlereien im Voldertal angebrochen. Einige Bauern gaben die Köhlerei nicht gleich auf und belieferten noch Metall- und Handwerksbetriebe mit ihrer Holzkohle. 1894 wurde im Voldertal die letzte Köhlerei stillgelegt. Für die Kohlebauern, die für ihre Holzkohle bar ausbezahlt wurden, war die Umstellung zurück zum rein landwirtschaftlichen Betrieb eine harte Zeit, zumindest berichteten das die letzten noch lebenden Kohlebauern dem Autor Walter Grabherr. Diese letzten beiden Bauern sind 1946 beziehungsweise 1951 verstorben.

Quelle:

Grabherr Walter, Beiträge zur Waldgeschichte des Voldertales bei Hall in Tirol. In: Tiroler Heimatblätter, Jg. 40, Innsbruck 1965, 4–9