Geheime Räume wenige Meter unterm Gipfel. Oben ragen merkwürdige Gebilde in die Luft, teilweise wie Röhren, oder wie Antennen. Der Glungezergipfel hat das Ambiente eines James-Bond-Films.

Militärische Funkanlage am Glungezer
Einrichtung für den militärischen Funk

Über Jahre hinweg habe ich es wie viele andere gemacht: Beim Gipfelfoto aufpassen, dass ja nicht der Betonblock mit seinen türmchenartigen Aufsätzen links vom Kreuz ins Bild rückt. Damit habe ich auch eine Seite von diesem Berg ausgeblendet. Jetzt endlich habe ich aber hingeschaut.

Militärische Funkanlage am Glungezer
Eine der antennenförmigen Gebilde am Gipfel

Es ist merkwürdig, dass die dominanten Militärbauten am Glungezer regelmäßig nicht mit auf die Fotos kommen, obwohl es nicht verboten ist, sie zu fotografieren. Wäre es ein militärisches Sperrgebiet, würde das anders ausschauen.

Militärische Funkanlage am Glungezer
Aus dem Gipfelplateau wächst manches unerklärliche Gebilde. Was verbirgt sich da im Untergrund?

Aber was geht hier am Glungezer wirklich vor sich, warum diese geheimnisvollen Bauten am Gipfel? Es ist eine der vier ortsfesten Netzfunkstellen des österreichischen Bundesheeres. Vom Bundesheer heißt es zu diesen Stellen:

Diese sind für die sichere Abwicklung des militärischen Flugverkehrs durch ein eigenes militärisches Flugfunknetz erforderlich. Der militärische Flugfunk dient zur Sicherstellung des Sprach-Informationsaustausches für alle Aufgaben im Rahmen der militärischen Flugsicherung sowie der Luftraumüberwachung. Das System ist ebenso für Katastropheneinsätze wichtig – wie etwa Löscheinsätze von Bundesheer-Hubschraubern – und daher auch eine Investition für  die Sicherheit der österreichischen Bevölkerung.  (Quelle)

Die oberste Stütze der Materialseilbahn
Die oberste Stütze der Materialseilbahn

Der Bau der Netzfunkstelle ging ab 1976 vonstatten, 1981 wurde er vollendet. Permafrost statt Festgestein ließ den Bau zu einer komplizierten Angelegenheit geraten. Die Station steht auf einer Stahlplattform, die von vier im Fels verankerten hydraulischen Zylindern gestützt wird und mit denen Bewegungen im Permafrost ausgeglichen werden können.

Für die Bauarbeiten wurde auch eine Seilbahn errichtet, mit Bergstation direkt unterm Gipfel. Die Talstation liegt bei der Tulfeinalm fast 600 Meter tiefer. Die Bahn ist 1.730 Meter lang und im Wagenkorb dürfen maximal fünf Personen mitfahren, so sie gemeinsam nicht mehr als 400 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Fahrt über insgesamt vier Stützen dauert etwa eine Viertelstunde. Hier gibt es einen Bericht mit genauen Daten zur Bahn.

Gondel auf der Militärseilbahn am Glungezer
Der Fahrkorb der Militärseilbahn

Auch das 1956 errichtete und acht Meter hohe Gipfelkreuz musste dem Bau der Netzfunkstelle weichen. Das Bundesheer wollte zur Sicherung der Radaranlage den Gipfel zum Sperrgebiet erklären, was nach zähen Verhandlungen mit dem Alpenverein und der Gemeinde Tulfes verhindert werden konnte. Sogar das Gipfelkreuz konnte wieder an seinem angestammten Platz unweit der Funkeinrichtungen des Bundesheeres aufgestellt werden. (Quelle)

Die Glungezerhütte wenige Zehnermeter weiter unten hat zumindest ein wenig James-Bond-Ambiente. Teilweise ist die Hütte in einen Blechmantel gehüllt, um den extremen Stürmen standhalten zu können, davor schwebt auf Metallstützen eine Biwakschachtel wie ein Raumschiff.

Glungezerhütte im Winter
Die Glungezerhütte und ihr Biwak

2016 wurde hier das Polygon-Biwak errichtet, wie sie auch in der Antarktis benutzt werden. „Romed’s Biwak“ in Erinnerung an den Hüttenwart der Glungezerhütte Roman Klingenschmid wurde vom ÖAV Vizepräsidenten Helmut Ohnmacht konstruiert. (Quelle)

Biwakschachtel bei der Glungezerhütte
Biwak bei der Glungezerhütte

Die Glungezerhütte ist zum größten Teil ein 1935 errichteter Bau nach einem Entwurf von Theo Prachensky, nachdem hier schon drei Jahre eine kleinere Skihütte gestanden war. 1968 wurde die Materialseilbahn errichtet, in den Jahren 1979 und 1980 wurde die Hütte zu großen Teilen verblecht.

Materialseilbahn zur Glungezerhütte und Militärseilbahn am Glungezer
Die Seilbahn des Bundesheeres fährt über die um etwa zehn Jahre ältere Seilbahn der Glungezerhütte hinweg

Über den Glungezer gäbe es viel zu schreiben und es wurde viel geschrieben. Ich erwähne Gerald Aichners Glungezerbuch „Der weiße Berg“, dem ich hier vor allem die Informationen zum Bau der Netzfunkstelle entnommen habe.

Webcam auf der Glungezerhütte
Die Kamera auf der Glungezerhütte überwacht das Unterinntal