Fotoworkshop Voldertal

Da ich in letzter Zeit nicht sehr viel ins Voldertal gekommen bin heute einmal ein Artikel, der ein bisschen Off-Topic ist, aber vielleicht manche interessiert. Es geht um ein paar Gedanken und Techniken, die hinter den Fotos stehen, die ich im Voldertal gemacht habe – also ein kurzer Online-Workshop.

Im Gegensatz zu den Bildern von Landschaftsfotografen, die ihre Bilder oft lange im Voraus planen und dann auch entsprechend gute Bilder liefern, entstehen bei mir viele Bilder eher beiläufig aus der Situation heraus oder nur kurzfristig geplant.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Anemonen am Largoz

Ein Bild, das mir gut gefällt, ist das von den Anemonen am Largoz. Es war ein teilweise bewölkter Morgen, als sich eine schöne Lichtstimmung ergab. Die Blumen selbst wären aber zu sehr im Dunkeln gestanden. Also habe ich mit einem Blitz nachgeholfen. Den Blitz habe ich in der linken Hand gehalten, die Kamera mit der rechten und den Blitz mit einer etwa 15 Mal 15 Zentimeter großen Mini-Softbox versehen, was in diesem kleinen Bereich durchaus Effekt macht. Zum Auslösen des Blitzes verwende ich einen einfachen Phottix-Blitztrigger.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Blitz aus dem Stollen mit Orange-Korrekturfilter (CTO)

Einen entfesselten Blitz habe ich auch bei dem Bild vom Stollen beim Volderwildbad verwendet. Da normales Blitzlicht von der Lichtfarbe etwa dem Außenlicht entspricht, würde es ohne Korrektur am Foto wie eine Durchgangshöhle ausschauen, in die von hinten Licht hineinscheint. Also habe ich mit einer orangen Korrekturfolie die Farbe wärmer gemacht. Ich nutze ein Blitz-Folienset von Rogue, mit Gummiringen lassen sich diese Folien problemlos am Blitz befestigen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ein sehr grün gewordener Bergbaustollen

Doch was tun, wenn die Filterfolien zuhause liegen geblieben sind? Die Lösung hier: Ein großes grünes Blatt über den Blitz gestülpt und den Blitz auf volle Leistung gedreht. Der Stollen macht so einen grün-moosigen Eindruck. Im Umgang mit entfesseltem Blitzen und Blitzfarben hat mir übrigens die Seite strobist.com sehr viel weitergeholfen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Schlüsselblumen bei der Nageleaste

Auch bei anderen Blumenfotos verwende ich ab und zu den Blitz, etwa bei diesen Schlüsselblumen als Aufhellblitz.  Durch die relativ kleine Blende (=hohe Blendenzahl) bricht sich das Sonnenlicht an den Blendenlamellen und die Sonne bekommt Strahlen entsprechend der Zahl der Blendenlamellen. Hier hatte ich das Objektiv Olympus 12-40mm/f 2.8 im Einsatz, das relativ viele Blendenlamellen hat.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Die Voldertalhütte im Winter

Viel weniger Lamellen besitzt etwa das Samyang 7,5mm Superweitwinkel. Deshalb hat die Sonne hier nur sechs Strahlen. Eindrucksvoll ist der Effekt oft auch, wenn noch nicht die ganze Sonne zu sehen ist, etwa weil sie gerade aufgeht oder von einem Ast oder Blatt zum Teil abgedeckt wird.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Hoppichler Aste

Hier lohnt es sich auf jeden Fall, beim Komponieren des Bildes die Abblendtaste gedrückt zu halten um den Strahleneffekt richtig einschätzen zu können. Fotografieren mit sehr kleinen Blendenöffnungen, etwa mit 16 oder 22 hat natürlich auch seine Tücken. Insgesamt verschlechtert sich aufgrund der Lichtbrechung an den Blendenkanten die Bildqualität. Ein Effekt, der meines Erachtens oft auch verschmerzbar ist.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Solche Aufnahmen offenbaren ein jedes Staubkorn auf der Linse

Zweitens aber hat das Gegenlicht mit der hohen Schärfentiefe den Effekt, kleinste Verunreinigungen auf der Frontlinse groß sichtbar zu machen. In manchen Fällen mag das einen gewissen Effekt haben, häufiger ist es aber einfach störend, vor allem wenn man nicht gewillt ist, lange im Photoshop herumzubasteln. Ich versuche möglichst so zu fotografieren, dass ich bei der Bildbearbeitung kaum Arbeit habe. Meist beschränkt sich das in Adobe Lightroom auf einen präziseren Ausschnitt und auf Anpassungen bei Farbtemperatur (ich fotografiere in der Regel im RAW-Format), Kontrast und Tiefen/Lichter. Heutzutage wird oft diskutiert, ob es im Digitalzeitalter noch Filter braucht. Ich persönlich finde Neutralgraufilter und Polfilter nach wie vor unverzichtbar, auch wenn ich sie nur sehr gelegentlich einsetze.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Voldertalbach

Neutralgraufilter haben natürlich ihren Sinn bei Langzeitbelichtungen, wie bei dem Bild vom Voldertalbach. Von dem Effekt machen viele Fotografen aber schon fast inflationär Gebrauch – und irgendwann, so habe ich das Gefühl, wird man davon genug haben. Ebenfalls sinnvoll kann ein Neutralgraufilter sein um beim Blitzen die Synchronzeit nicht zu überschreiten. Ich nutze das etwa bei Porträtfotografien, wenn ich am Tag mit offener Blende fotografieren will um einen guten Freistelleffekt zu erreichen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Hier war ein Polfilter im Einsatz

Von Polarisationsfiltern habe ich früher ebenfalls viel Gebrauch gemacht. Jetzt verwende ich sie  nur mehr in wenigen Situationen, wo ich sie für wirklich sinnvoll halte. Ein Beispiel ist das nasse Blechdach der Kapelle oben. Ohne Polfilter hätte das Dach den hellen Himmel reflektiert. Sinnvoll ist ein Polfilter oft auch bei nassem Wetter, etwa im Wald. Durch das Ausschalten der Lichtreflexe bekommt man oft sattere Farben hin.

P6280210.jpg
Schlechtwetter-Foto: Anemonen-Fruchtstände

Regenwetter kann durchaus seinen Reiz haben, wie etwa das Bild der Fruchtstände beim Largozkreuz zeigt. Während weite Distanzen durch Regen und Feuchtigkeit dann oft wenig ergiebig sind, ergeben sich im Nahbereich oft schöne Motive. Das Bild ist übrigens ohne Polfilter entstanden, der könnte die hellen Lichtspiegelungen in den Tropfen erfolgreich zerstören. Was die Ausrüstung betrifft, so schleppe ich ein richtiges Stativ nur in den seltensten Fällen mit. Manchmal behelfe ich mich mit einem Mini-Stativ, etwa einem Gorilla-Pod. Oft leistet der exzellente Stabilisator meiner Olympus-Kameras hervorragende Dienste. Aus ruhiger Hand schaffe ich damit bei kurzen Brennweiten bis zu einer halben Sekunde.

P5239207.jpg
Vorbergalm

In vielen Fällen finde ich eine Gelegenheit, die Kamera im Gelände wo zu platzieren. Wie etwa bei der Nachtaufnahme bei der Vorbergalm, die mit dem Samyang-Weitwinkel entstanden ist. Mit ein paar Steinen habe ich die Kamera am Boden entsprechend eingerichtet. Belichtet habe ich mit Selbstauslöser und 30 Sekunden bei ISO 1.600 mit einer Olymps EM-5/II Kamera. Den Vordergrund habe ich während der Aufnahme mit meiner Stirnlampe ausgeleuchtet.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Vordergrund gibt dem Bild etwas mehr räumliche Tiefe

Eine der größten Herausforderungen bei der Fotografie ist die gelungene Umsetzung des dreidimensionalen Raumes in ein zweidimensionales Bild. Ein jeder Fotograf wird diese Aufgabe auf seine Art lösen. Rezepte dafür werden viele angeboten, etwa verschiedene Ebenen in das Bild zu bringen oder Diagonalen, die in das Bild führen. Was die Ebenen betrifft, habe ich manchmal fast zwanghaft versucht, einen Vordergrund in das Bild zu bringen. Oft habe ich aber die Erfahrung machen müssen, dass ein Vordergrund ohne Aussage für das Bild mehr schadet als nützt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Spiel mit Schärfe und Unschärfe

Den größten Spielraum zur Gestaltung mit Schärfe und Unschärfe hat man natürlich mit lichtstarken Objektiven und möglichst großen Sensor- oder Filmformaten. Ich fotografiere im MFT-Format, für mich ist es ein guter Kompromiss von Gewicht, Preis, Qualität und Gestaltungsmöglichkeiten. Viele fotografieren heute ausschließlich mit dem Handy. Ich persönlich mache davon nur im Notfall Gebrauch. Wenn ich durch den Sucher blicke, habe ich einfach ein viel größeres Bild vor mir, als wenn ich auf ein Display schaue. Am Berg passiert es mir auch immer wieder, dass ich bei sehr hellen Verhältnisse kaum mehr etwas sehe oder das Display spiegelt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Nicht mit einem Handy gemacht, aber solche Gestaltungsmöglichkeiten hätte man auch mit der Handykamera

Außerdem entfallen beim Handy weitgehend die Möglichkeiten, mit Unschärfe zu gestalten. Oft fehlt mir aber die Phantasie, wie ich ein Bild ohne Unschärfe wirklich gut und plastisch gestalten kann. Mit einem Wort: Der Handyfotograf müsste der bessere Fotograf sein.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Überraschend gutes Licht an einem Sommerabend: Pilz zwischen Volderwildbad und Windegg

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s