Das Mitterkar

Nur selten bekommt das Mitterkar Besuch. Das Kar östlich der Gamslahnerspitze wirkt auch wenig spektakulär. Aber gerade seine Unberührtheit und Stille geben ihm einen eigenen Reiz.

Das Mitterkar ist der nördliche Bruder des Gamskars, das vom Rosenjoch zur Gwannalm hinabzieht. Sein Charakter könnte aber unterschiedlicher kaum sein. Während das breite Gamskar in einem ständigen Wechsel zwischen steilen Stufen und ebenen Böden abfällt und sein Erscheinungsbild ständig ändert, ist das Mitterkar schlicht gebaut. Steil und felsdurchsetzt beginnt es unterm 2.575 Meter hohen Kreuzjöchl und wird nach unten zu flacher.

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Blick durch das Mitterkar hinunter

Wenn man vom Kreuzjöchl durch das Mitterkar ins Voldertal hinunterschaut sieht man, dass an der linke Seite grüner ist, hier überwiegt mit Steinen durchsetzter Steilrasen. In der Mitte und rechts davon hat hingegen Blockwerk die Vorherrschaft.

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Primeln und darüber die Gamslahnerspitze, die sich beim Abstieg durch das Kar als Felsbastion zeigt

Bis auf ein paar Steigspuren gibt es heute keinen Steig mehr durch das Mitterkar. Erst auf gut 2.100 Metern Höhe quert der Gwannsteig. Eine alte Karte aus der Zeit der Habsburgermonarchie zeigt hingegen noch einen Steig, der aus dem Viggartal über das Kreuzjöchl in das Mitterkar hinüberwechselt.

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Die Karte der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme (1869 – 1887) zeigt einen Steig durch das Mitterkar

Natürlich ist auch heute ein Abstieg vom Kreuzjöchl durch das Mitterkar zum Gwannsteig möglich, auch wenn die steilen Hänge Trittsicherheit verlangen. Ich bin im Juni vom tiefsten Punkt am Kreuzjöchl zuerst linkshaltend abgestiegen, um ein paar Felsabsätze zu umgehen, und dann ging es durch das ohnehin sehr übersichtliche Kar einfach nur mehr bis zum Gwannsteig hinaus.

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Das Mitterkar zieht von oben links schräg nach rechts fallend hinab

Nach unten hin geht das Mitterkar wieder steiler werdend in das sogenannte „Gamshag“ über. Hier soll sich auf etwa 2.200 Meter der Tiroler Freiheitskämpfer Josef Speckbacher im Winter 1810 vor seinen Verfolgern versteckt haben, bis er im März bei einem Lawinenabgang verletzt wurde und sich nur mit Mühe und unter großen Schmerzen retten konnte.

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Eine der kleinen Felsgrotten in diesem Bereich

Bei einem Lokalaugenschein habe ich im vergangenen Sommer dort zwei kleine Felsgrotten gefunden, die als Versteck dienen könnten. Irgendwelche weiteren Reste konnte ich jedoch nicht finden, ich habe aber auch nicht lange gesucht.

Quelle:

Tirol. 1809. Tulfes. Ein geschichtsträchtiger Streifzug durch die Zeit der Befreiungskriege vor 200 Jahren

 

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