Das Rosenjoch, Sitz der Eisgöttin

In der Sage ist das Rosenjoch Sitz einer Eisgöttin. Tatsächlich lag unter dem höchsten Gipfel des Voldertals noch vor etwa 100 Jahren der größte Gletscher der Tuxer Alpen. Das Wachsen und Fließen des Gletschers mit dem Morgen- und Abendrot galt als Symbol ewigen Lebens.

Auch wenn heute noch Morgen- und Abendrot am Rosenjoch beeindrucken können, das ewige Eis ist geschmolzen, nur mehr Moränen zeugen von seiner Herrschaft im Gamskar nördlich unterm Rosenjochgipfel.

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Das Rosenjoch im Licht der Morgensonne

Auf Karten aus dem 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist nördlich vom 2.796 Meter hohen Rosenjoch ein beachtlich großer Gletscher eingezeichnet. Auf der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme aus den Jahren 1869 bis 1887 reichte der Gletscher im Gamskar bis auf eine Höhe von etwa 2.400 Meter herab und dürfte eine Fläche von etwa 60 Hektar eingenommen haben.

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Der Rosenjoch-Gletscher auf einer Karte aus dem 19. Jahrhundert

Heutzutage hingegen überdauert kaum einmal ein Firnfleck den ganzen Sommer im Gamskar. In manchen Jahren ist es sogar schon Ende Juni möglich, ohne Schneeberührung auf dem Steig von der Gwannalm durch das Gamskar auf das Rosenjoch zu steigen.

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Der Gletscher füllte einst das ganze Kar unter Rosenjoch und Kreuzspitze (links) bis zu der markanten Schwelle aus

Geformt wurden das Gamskar und auch die anderen Kare rund um das Rosenjoch aber wesentlich früher, nämlich in der Eiszeit. An der markanten Geländeschwelle, etwa dort wo der Gletscher im Gamskar vor etwa 150 Jahren endete, findet man auf den Felsbuckeln noch heute deutliche Schrammspuren. Diese stammen vom eiszeitlichen Gletscher, als die Eismassen über diese Felskante talwärts flossen und die mitgerissenen Steine den Felsen wie Schleifpapier polierten und Spuren hinterließen, die noch heute exakt die Bewegungsrichtung des eiszeitlichen Gletschers anzeigen.

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Die Schrammspuren am Gletscherschliff zeigen an, in welche Richtung sich der eiszeitliche Gletscher bewegte

Auch wenn es seit einigen Jahrzehnten am Rosenjoch kein ewiges Eis mehr gibt, so gab es zumindest bis vor wenigen Jahre eine subtilere Form von Gletscher, nämlich Blockgletscher. Blockgletscher sind eine Mischung aus Eis, Sand und Steinen, die sich ähnlich der Eismasse eines richtigen Gletschers langsam talwärts bewegen und dabei ähnliche Formen wie ein richtiger Gletscher annehmen können. Bis vor wenigen Jahren dürfte es im Gamskar noch aktive Blockgletscher gegeben haben, mittlerweile sind diese wahrscheinlich inaktiv. Überreste der Blockgletscher gibt es aber rund um das Rosenjoch, etwa in Form von Blockhalden, so etwa im Gamskar in dem relativ flachen Bereich auf etwa 2.200 Metern Seehöhe.

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Diese Lacke liegt in Überresten eines ehemaligen Blockgletschers

Heute ist das Rosenjoch ein für Voldertaler Verhältnisse gut besuchter Gipfel. Einerseits weil es auf der alpinen Route der seven tuXer summits liegt und auch der höchste Punkt auf der Überschreitung von der Glungezerhütte zur Lizumerhütte ist. Andererseits ist es der höchste Gipfel des Voldertals im Osten und des Arztals im Westen, das ein kleines Seitental des Wipptals bei Ellbögen ist. Auch Skitourengeher kommen immer wieder mal auf das Rosenjoch, der Anstieg vom Voldertal durch das Gamskar wird selbst im Frühsommer noch manchmal mit Skiern begangen. Einen Bericht mit eindrucksvollen Bildern von einer Skitour aufs Rosenjoch im Mai kann man in diesem Blog nachlesen.

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Über das Rosenjoch führt die Überschreitung von der Glungezerhütte zur Lizumerhütte

Das Gelände im Arztal westlich vom Rosenjoch nennt sich übrigens der „Rosengarten“, auch Nordtirol hat also einen Rosengarten. Und wenn es hier schon keinen König Laurin gibt, so gibt es in Nord- wie in Südtirol drei sagenumwobene Jungfrauen. Hier sollen sie Borbet, Wilbet und Gwerbet geheißen haben. Wie Gerald Aichner schreibt, sitzt am Rosenjoch die Borbet. Die anderen beiden verteilten sich möglicherweise auf die Frau Hitt und den Bettelwurf, im Namen des Letzteren sollen die Wörter „Bet“ und „Werbet“ stecken. Möglicherweise gehen die drei Jungfrauen auf vorchristliche und keltische Göttinnen zurück.

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Das im Jahr 2000 errichtete Rosenjochkreuz mit Blick Richtung Glungezer

Heute jedenfalls ziert ein christliches Symbol den Gipfel des Rosenjochs, das Gipfelkreuz. Laut den am Kreuz angebrachten Plaketten wurde es 1969 vom „Enzian Club Volders“ errichtet und im September 2000 von den Volderer Rosenjochfreunden neu errichtet.

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Frühsommerlicher Blick über die Alpenrosen hinweg zum Rosenjoch

Quellen:

Gerald Aichner, Der weiße Berg. Das Glungezerbuch. Kulturverlag Thaur-Wien-München 1994, Seite 245.

Alfred Gruber, Bericht 2004 über geologische Aufnahmen im Quartär der Nördlichen Tuxer Alpen auf Blatt 148 Brenner

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