Die Mayrhütte

Einst haben hier hunderte Kinder und Jugendliche ihre Ferien verbracht, jetzt ist sie dem Verfall preisgegeben: Die Mayrhütte im Voldertal. Im dichten Wald kaum zu finden, rottet das ehemalige Erholungsheim des Katholischen Arbeitervereins Hall vor sich hin.

„1932“ ist heute noch auf der Hütte zu lesen. Das war die Zeit, in der unter dem Haller Kooperator Josef Lambichler auch das Ferienheim Gufl am Tulfer Berg gebaut wurde, nur gut eine Stunde Fußweg entfernt. Der tiefgläubige Kooperator war ein großer Wohltäter der Jugend und ermöglichte es ihr, mehrere Wochen in den Ferien zur Erholung auf der Gufl oder auf der Mayrhütte im Voldertal zu verbringen. Auf einem seiner Gänge vom Tulfer Berg ins Voldertal dürfte der Kooperator über einen Schrofen beinahe in den Tod gestürzt sein. Seine Errettung schreibt er der Gottesmutter Maria zu. Im Gedenken daran wurde an dem Schrofen eine Gedenkstelle an den heiligmäßigen Haller Kooperator errichtet.

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Über diese Wand, den heutigen „Marienschrofen“, soll Lambichler beinahe in den Tod gestürzt sein.

Während es für das verfallende Ferienheim am Tulferberg Ersatz durch einen Neubau im Jahr 1976 gab, blieb die Mayrhütte im Voldertal ohne Nachfolger. Auf einem Foto aus dem Jahr 1935 sind sogar zwei Hütten zu sehen, um wenige Meter überragt von einer dazwischen liegenden Kapelle. Von einer der beiden Hütten ist heute nichts mehr zu sehen, nur ein  ebener Platz lässt erahnen, wo sie gestanden ist. Die andere Hütte steht noch. Die architektonisch ansprechend gestaltete Hütte ist aber baufällig.

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Die architektonisch sehr schön gestaltete Hütte

Beim genauen Hinschauen erkennt man etwa, dass die ganze Hütte schon etwas verzogen ist und nicht mehr überall im rechten Winkel in die Höhe ragt. Nur das noch einigermaßen instand gehaltene Dach dürfte verhindern, dass die Hütte komplett zusammenfällt.

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Ein Schild warnt vor dem Betreten der „Baustelle“

Während die Hütte auf der Vorderseite auf den ersten Blick noch einigermaßen gut ausschaut, offenbart ein Gang rund um die Hütte, dass es an vielen Stellen schon sehr weit fehlen dürfte.

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Ein Blick auf die Rückseite

Ähnlich, oder noch schlechter, ist die Situation bei der Kapelle. Während das Blechdach mit seinem Dachreiter einen noch halbwegs ordentlichen Eindruck macht, neigt sich die mit faustdicken Rissen durchzogene Mauer an der Vorderseite gefährlich talwärts, ansonsten hindern nur mehr ein paar Holzkonstruktionen die Kapelle am Einsturz.

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Nur notdürftig wird die Kapelle vor dem völligen Einsturz bewahrt

Zu dem sehenswerten Ensemble aus Hütte und Kapelle führt kein Fahrweg. Lediglich ein paar Wegspuren und eine morsche Brücke über ein Rinnsaal dienen als dürftige Orientierungshilfen.

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Dach und Dachreiter der Kapelle

Die Mayrhütte liegt im Wald ziemlich genau gegenüber der Stiftsalm, aber etwas höher als die Alm auf etwa 1.280 Metern. Auf der Österreichischen Bundeskarte sind die Hütte und die Kapelle zwar nicht namentlich, aber mit Symbolen eingezeichnet.

Quelle:

Gerald Aichner, Der weiße Berg. Das Glungezerbuch. Kulturverlag Thaur-Wien-München 1994, Seiten 48 – 59.

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