Der Largoz

Beim nüchternen Blick auf eine Karte verdient der Largoz kaum die Bezeichnung „Berg“. Es sind seine Bekanntheit und Beliebtheit, die aus diesem Ausläufer des Bergkamms zwischen dem Volder- und dem Wattental einen Berg machen.

Dass es beim Largoz nicht in erster Linie um einen bedeutenden Gipfel geht, zeigen schon die beiden Kreuze, von denen keines am höchsten Punkt steht. Da ist am Nordrücken auf etwa 2.075 Metern Höhe das von den Pfadfindern errichtete „Glotzenkreuz“ und auf 2.214 Metern das „Largozkreuz“ mit der Aufschrift „Herr segne unsere Heimat“.

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Beim Glotzenkreuz, links dahinter das Largozkreuz

Der höchste Punkt trägt nur ein Vermessungszeichen und ist auf der Österreichischen Bundeskarte nicht einmal kotiert. Er wird etwa 2.230 Meter Höhe erreichen, ehe sich der Kamm um etwa zehn bis 15 Meter zur tiefsten Einsenkung vor der Wattenspitze absenkt, die trotz ihrer 2.321 Meter deutlich weniger Besuch erhält.

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Der Largoz vom Wattental. Links die Wattenspitze, dann der flache Largozkamm und am unteren Ende des weißen Kammes der Glotzen.

Aber nicht nur seine Höhe ist nicht ganz klar, beim Largoz ist auch manch anderes nicht ganz eindeutig. Manche sagen zum Largoz einfach „Glotzen“, andere wieder lassen den Largoz Largoz sein und nennen nur den nördlichen Teil mit dem Glotzenkreuz „Glotzen“. Mein Eindruck ist, dass besonders die Wattener gern den ganzen Berg Glotzen nennen, möglicherweise weil man von Wattens nur den Glotzen sieht.

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Wegweiser auf der Largozalm

Nicht ganz einheitlich ist auch die Schreibung von Largoz, meist liest man Largoz, manchmal auch Largotz. Auf der TIRIS-Karte des Landes Tirol findet man je nach verwendeter Ebene die Bezeichnungen „Largozalm“ und „Largotz Alm“. Und hört man auf Sprachwissenschafter, dann könnte man den Largoz genauso gut mit zwei a schreiben, also „Largaz“.

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Auf dem Weg zur höchsten Erhebung des Largoz.

Der Name Largoz soll sich vom romanischen Namen für Lärchenwald „laricata“ ableiten, und das o soll nur durch die mundartliche Aussprache des a entstanden sein, genaugenommen ist es ein Laut, der zwischen dem a und dem o liegt. In alten Karten aus den Jahren 1765/1774 und 1801/1805 heißt es auch noch „Largaz“, beziehungsweise „Largatz Alp“.

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„Largozalm“, „Largotz Alm“ und früher auch die „Largatz Alp“

Die Largozalm an der Westseite auf 1.930 Metern ist ein Almdorf. Das über 215 Hektar umfassende Almgebiet ist auf 96 Anteilsrechte aufgeteilt. Derzeit teilen sich sechs Großvolderberger Bauern die Rechte. Die Sennhütte der Largozalm war vom Verfall bedroht, ehe sie ab 2016 wieder instandgesetzt wurde. Zu diesem Anlass wurde die Hütte auch wissenschaftlich untersucht. Im August 2015 entnahmen Dendrochronologen von der Universität Innsbruck Bohrkerne aus den Holzbalken und im Jahr 2016 wurde die Hütte bauhistorisch untersucht.

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Schadhaftes Holz wurde ausgetauscht

Die Untersuchungen der Dendrochronologen zeigen, dass die Fichten und Zirben für die Hütte in der Zeit von 1666 bis 1847 gefällt wurden. Die Bauhistoriker fanden heraus, dass die heutige Hütte ein erweiterter Bau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist. Bei dieser Erweiterung wurden die Fundamente und der steinerne Sockel behutsam adaptiert und auch das Holz der Hüttenwände wurde wieder verwendet.

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Die Holzbalken der alten Hütte wurden beim Neubau vor etwa 200 Jahren wiederverwendet.

Heute wird die Largozalm im Sommer von Mitte Juni bis Mitte September bewirtschaftet. Neben der Largozalm gibt es im Voldertal in diesem Bereich noch die kleine Galtalm auf 1.735 Meter auf einer Waldlichtung unterhalb der Largozalm.

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Die Galtalm

Auf Wattentaler Seite liegt östlich vom Glotzenkreuz auf gut 1.800 Meter die Vögelsberger Galtalm – auch Glotzen Alm genannt und die Sennach Alm, beziehungsweise Sennach-Aste, östlich unterhalb des Largozgipfels.

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Der Largoz von der Wattenspitze. Auf Voldertaler Seite fällt er sanfter ab als zum Wattental hin.

Almkultur und Geschichte sind nicht der einzige Grund für die Bekanntheit des Largozkamms. Ein Grund ist sicher seine ins Inntal vorgerückte Lage. Der Berg ist nahe an der Zivilisation und schnell erreichbar. Im Winter ist er bei richtiger Spurwahl nur wenig lawinengefährdet und durch seine vorgeschobene Position ist er ein hervorragender Aussichtsberg.

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Der Largoz bei Sonnenuntergang vom Inntal, rechts die Largozalm.

Wer etwa am späten Abend vom Largoz auf die befeuerte Landebahn im Westen von Innsbruck hinunterschaut, kann sich wie ein Pilot im Landeanflug fühlen. Wahrscheinlich war es auch diese exponierte Position des Largoz, die ihn im Zweiten Weltkrieg zwei Mal zum Schauplatz von Flugzeugabstürzen machte. Im Dezember 1943 kamen bei einem Absturz oberhalb der Largozalm acht Menschen ums Leben, im Juni 1944 stürzte eine brennende Maschine oberhalb der Krepperhütte in den Wald, davor konnte sich aber die Mannschaft mit Fallschirmen in Sicherheit bringen. Mehr zu diesen Abstürzen gibt es in diesem Artikel: US-Bomber-Absturz am Largoz.

Quellen:

Yvonne Kathrein: Der Name Largoz. Infotafel der Ausstellung „Almen im Voldertal“

Ilona Dudzinski: Historische Bauforschung an der Sennhütte der Largozer Alm. Infotafel der Ausstellung „Almen im Voldertal“

Kurt Nicolussi, Thomas Pichler: Dendrochronologische Untersuchung. Infotafel der Ausstellung „Almen im Voldertal“

Agrargemeinschaft Largoz Alpe. Infotafel der Ausstellung „Almen im Voldertal“

Karl Wurzer: Ausstellung „Almen im Voldertal“ – eine Nachlese. Volderer Gemeindeblatt 04/2017, S. 9

Karl Finsterwalder: Die Namenschichten im Raume Wattens. In: Wattner Buch. Beiträge zur Heimatkunde von Wattens, Wattenberg und Vögelsberg. Innsbruck 1958, S. 203 – 231, hier S. 215.

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