Das Tor zum Voldertal

Eine Betonmauer mit einem eisenbewehrten Durchlass stemmt sich den Felsblöcken entgegen, die der Bach immer wieder aus dem Voldertal mitreißt. Über uns thront das Schloss Friedberg. Wir sind ganz am Anfang des Voldertals. Ein Rundgang verschafft viele Eindrücke. Wir beginnen unseren Spaziergang an der Kleinvolderbergstraße, gleich nach der Brücke über den Voldertalbach. Schon nach wenigen Metern sehen wir die Geschiebesperre. Geröll und mitgerissene Bäume aus dem Voldertal haben immer wieder den Ort bedroht. 1975 konnte nach einem schweren Hagelunwetter im Voldertal nur mit viele Mühe eine größere Katastrophe verhindert werden, der Bach war aber schon bei der Weinoldbrücke über die Ufer getreten und die Fluten ergossen sich über die Senselerstraße. 1979 wurde am Eingang des Voldertals eine mächtige Betonmauer errichtet.

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Durch dieses Tor zwängt sich der Voldertalbach

Ab jetzt musste sich der Voldertalbach durch ein Tor zwängen. Schwere Eisenstangen sorgen dafür, dass Geröll und Baumstämme hinten bleiben. Im August 1985 füllte sich nach starken Regenfällen das Becken innerhalb von wenigen Stunden mit Geröll, Volders blieb hingegen verschont, das Bauwerk hatte seine Bewährungsprobe bestanden. Dem Geschiebebecken entlang führt einige hundert Meter ein Fahrweg in die Schlucht hinein, die hier „Raffler“ heißt. Bald wird der Weg schmal und mündet in den Rafflersteig, der sich mit Stufen und  Kehren durch den mit Felsen durchsetzen Schluchtwald zum Schloss Friedberg hinaufwindet.

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Viel Geländer gibt’s am Rafflersteig

Während vom Inntal sanfte Wiesen zum Schloss hinaufreichen, sitzt das Schloss auf der Voldertalseite auf einem steilen Felssporn über der Schlucht des Voldertalbachs. Deshalb ist das Schloss von der Schlucht aus kaum zu sehen. Jetzt aber, wo wir den Rafflersteig erklommen haben, stehen wir auf einem Sattel, rechts der ummauerte Hügel mit dem Schloss Friedberg und links der Fiegerhof, dessen Name an das Geschlecht der Fieger erinnert, denen Friedberg von 1491 bis 1802 gehörte.

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Der Fiegerhof

Beim Fiegerhof wählen wir den nach links ansteigenden Fahrweg. Spätestens beim Beginn eines kleinen Wäldchens sollte man zurückschauen: Jetzt ist das Schloss Friedberg in voller Pracht zu sehen. Die ältesten Teile des Schlosses gehen auf die Zeit um 1230 zurück, als es von den Grafen von Andechs erbaut wurde. Seit 1845 gehört das Schloss dem Geschlecht Trapp. Im Laufe der Geschichte veränderte das Schloss immer wieder sein Aussehen. So stammt der Bergfried mit seinen vier Erkern aus der Zeit um 1500.

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Blick zurück zum Schloss Friedberg

Nach einer Kehre steigt der Fahrweg am Waldrand noch etwas an, bevor es durch den Wald hinunter zum Voldertalbach geht, den hier die 14 Meter lange Wiesstegbrücke überspannt. Die Brücke wurde 1990 errichtet und 2017 in Stahlbauweise erneuert.

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Blick auf die neue Wiesstegbrücke

Unter der Brück rauscht das Wasser des Wildbachs zwischen den mit Moosen bewachsenen Felsblöcken durch einen zunehmend klammartigen Abschnitt talwärts.

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Der Voldertalbach bei der Wiesstegbrücke

Kurz, aber steil, geht es nach der Brücke hinauf Richtung Unterberg. Eine Tafel am Waldrand weist darauf hin, dass man es nicht gerne sieht, wenn man durch die Wiese geht. Stattdessen geht es am Wiesenrand entlang, zuerst ein Stück fallend und dann wieder hinauf. Kurz bevor der Weg die Straße erreicht, geben die Bäume abermals den Blick zum Schloss Friedberg frei.

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Blick hinunter zum Schloss Friedberg

Schaut man hier auch nach oben, sieht man die mächtige 220 Kilovolt Freileitung Westtirol – Zell am Ziller, deren Leiterseile das Voldertal überspannen. Beim Leitungsbetreiber, der Austrian Power Grid (APG), prüft man, ob man diese Leitung in Zukunft auch mit 380 Kilovolt betreiben könnte. Sie wäre dann Teil des Netzes mit der höchsten Stromspannung in Österreich.

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Die Hochspannungsleitung überquert das Voldertal

Nach ein paar Metern die Straße in Unterberg talwärts, zweigt links der Kirchsteig ab. Über diesen Fahrweg, der nur in der Mitte kurz ein echter Steig ist, kommen wir wieder nach Volders zurück. Auch wenn dieser Weg auf den ersten Blick nicht spektakulär erscheint, lohnt es trotzdem, die Augen offen zu halten.

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Misteltriebe entspringen einem alten Apfelbaum

Wo etwa findet man schon Misteln, die auf Augenhöhe aus einem Baum wachsen? Miraculix hätte es hier leicht gehabt, die Misteln für seinen Zaubertrank zu ernten.

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Herz-Jesu-Bildstock am Kirchsteig

Ein Stück weiter passieren wir einen Herz Jesu Bildstock, ehe wir auf die Großvolderbergstraße kommen und nach wenigen Metern wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück. Kurz davor kommen wir noch an der Kapelle des Heiligen Johannes Nepomuk vorbei. Die Freiwillige Feuerwehr errichtete sie 175 Jahre nach dem Tiroler Volksaufstand im Jahr 1809, also im Jahr 1984.

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Die 1984 erbaute Johannes-Kapelle

Für den Spaziergang braucht man etwa 45 Minuten reine Gehzeit. Im Aufstieg sind für die Runde insgesamt etwa 140 Höhenmeter zu bewältigen.

Quellen:

Karl Wurzer, Erinnerungen an Naturereignisse in den Jahren 1965, 1975 und 1985, in: Gemeindeblatt Volders 2015/3, S. 15.

APG: Verstärkung Westtirol – Zell am Ziller

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