US-Bomber-Absturz am Largoz

Mehrmals sind im Bereich des Voldertals Flugzeuge abgestürzt.  Neben der zivilen Flugzeugkatastrophe von 1964 mit 83 Toten kamen 1943 beim Absturz eines amerikanischen Bombers am Largoz acht Soldaten ums Leben.

Am 4. September 2008 bin ich am späten Nachmittag auf der Voldertalhütte zugekehrt. Am Nebentisch unterhielt man sich in einer Runde über einen Flugzeugabsturz am Largoz. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass es dort einen Absturz gab, und erst bei den Recherchen zu diesem Artikel ist mir klar geworden, dass damals auf der Voldertalhütte unter anderen Sohn und Enkel eines Überlebenden dieses Absturzes zu Gast waren.

Es war am 19. Dezember 1943: 50 B-24 Bomber der in Brindisi stationierten 15. United States Army Air Force (USAAF) wollten die Werke des Flugzeugherstellers Messerschmitt bei Augsburg bombardieren. Deutschen Luftjägern gelang es aber, die amerikanischen Bomber nach Süden abzudrängen. Als sie bei ihrem Rückflug gegen 12.00 Uhr Mittag auf etwa 5.500 Metern Höhe über der Innsbrucker Nordkette auftauchten, traf die Fliegerabwehr zwei Maschinen. Die von Richard Rossman geflogene B-24-J flog nach dem Treffer noch eine Spirale über Wattens ehe sie gegen den Largoz prallte.

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Die Absturzstelle am Largoz ist heute noch kahl

Von der zehnköpfigen Besatzung konnten sich zwei Männer mit einem Fallschirmsprung retten, die anderen acht kamen beim Aufprall ums Leben. Einer der Überlebenden war der 1920 geborene William B. Jeffries. Nach seinem Absprung wurde er am Gendarmerieposten Volders verhört und dann nach Bad Aibling in Bayern zum Fliegerhorstkommando überstellt. 65 Jahre später besuchten Sohn und Enkelsohn Bill und Tim Volders. Dabei suchten sie auch die Absturzstelle am Largoz auf, ehe sie auf der Voldertalhütte zukehrten. Bei seinem Besuch in Tirol erzählte Bill, dass einem weiteren Soldaten der Absturz mit dem Fallschirm gelang: Leslie Charles H. jr. landete am unteren Wattenberg in einer Baumgruppe.

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Noch viele Trümmer sind zu finden

Von den acht beim Aufprall der Maschine umgekommenen Soldaten sind laut den Aufzeichnungen des Gendarmerieposten Volders noch am gleichen Tag sechs verbrannte Leichen entdeckt und in einem Sammelgrab am Heppergboden bestattet worden. Zwei weitere Leichen wurden im Mai und Juli des folgenden Jahres gefunden und ebenfalls in dem Grab am Heppergboden bestattet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1946, wurden alle Soldaten exhumiert und auf einem Soldatenfriedhof in Avold in Frankreich bestattet.

Am Heppergboden erinnerte noch einige Zeit ein Kreuz an die einstmals hier begrabenen Opfer des Flugzeugabsturzes. Heute erinnert nichts mehr daran und den wenigsten Rodlern oder Wanderern zur Largozalm dürfte bewusst sein, dass auf der kleinen Verebnung beim oberen Ende der Rodelbahn von der Krepperhütte einst Soldaten begraben lagen.

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Am Heppergboden erinnert nichts mehr daran, dass hier Soldaten begraben lagen

Die kahl gebliebene und mit kleinen Schrottteilen übersäte Absturzstelle des Bombers hingegen ist selbst 74 Jahre nach dem Absturz kaum zu übersehen. Zu finden ist sie übrigens, wenn man von der Largozalm dem Weg zum Glotzenkreuz folgt.

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Zwischen den Steinen liegen überall noch Kleinteile herum

Bei einem Brunnen steigt man direkt den Hang empor, zuerst nur unmerklich rechts haltend und nach etwa 40 Höhenmetern deutlicher nach rechts bis man nach etwa 80 weiteren Wegmetern bei einigen Felsblöcken zu der Absturzstelle kommt, die nach meiner Schätzung auf etwa 2060 Metern Seehöhe liegen dürfte.

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Die Absturzstelle liegt etwa 60 Höhenmeter rechts oberhalb von diesem Brunnen

Die zweite getroffene Maschine stürzte übrigens einige Kilometer weiter östlich im Nurpenstal bei Weerberg ab. Während der Pilot und der Bordschütze ums Leben kamen, konnten sich die restlichen Besatzungsmitglieder retten. Sie wurden  gefangen genommen und in ein Kriegsgefangenenlager nach Norddeutschland überstellt.

Im Bereich des Largoz gab es noch einen zweiten Absturz eines US-Bombers. Am 13. Juni 1944 stürzte eine vom Unterinntal kommende Maschine, nachdem sie vermutlich getroffen worden war, etwa 300 Meter von der Krepperhütte entfernt in den Wald, wo sie in Flammen aufging. Die gesamte Besatzung konnte sich zuvor noch durch Absprünge mit dem Fallschirm retten. Wie der Zeithistoriker Thomas Albrich schreibt, stürzten im Gau Tirol-Vorarlberg und der Operationszone Alpenvorland zwischen dem September 1943 und dem April 1945 insgesamt 98 schwere viermotorige Bomber der 15. und 9. USAAF ab, beziehungsweise mussten sie notlanden. Dabei dürften 564 Besatzungsmitglieder überlebt haben, 405 ums Leben gekommen sein.

Quellen:
Karl Wurzer: Absturz eines B24J Bombers am 19.12.1943 oberhalb der Largozalm. In: Volderer Gemeindeblatt Nr. 3/2008, Seite 7.

Thomas Albrich: Die amerikanischen Bomberverluste über dem Gau Tirol-Vorarlberg und der Operationszone Alpenvorland 1943-1945: Eine Bilanz. In: Tiroler Heimat. Jahrbuch für Geschichte und Volkskunde Nord-, Ost- und Südtirols, Band 79/2015, S. 249-292.

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