Die Moose im Voldertal, Teil 1

Grüne Waldböden, oder saftige Polster an den Bächen und Rinnsalen: Die Moose prägen das Landschaftsbild im Voldertal. Ein Blick auf diese oft wenig beachteten Pflanzen offenbart eine faszinierende Welt. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mich mit Moosen auch noch nicht viel beschäftigt habe. Mein Vater hingegen beschäftigt sich mit ihnen seit vielen Jahren und hat auf seinen Exkursionen kreuz und quer durch Österreich mehrfach das Voldertal besucht. Seine Moosbilder allein aus dem Voldertal würden fast für ein Buch reichen, und so werde ich im Laufe der Zeit ein paar weitere Blogbeiträge zu den Moosen im Voldertal folgen lassen.

Eine der Moose, die mich dabei am meisten faszienieren, sind die Dungmoose. Sie wachsen meist auf den Hinterlassenschaften vom Almvieh und so ist es kein Wunder, dass gerade diese Moose auch im Voldertal vorkommen. Eines dieser Moose ist das Kugelfrüchtige Schirmmoos, lateinisch Splachnum sphaericum. Benannt ist es offensichtlich nach seinen kugelförmigen Sporenkapseln.

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Sporenkapseln von Splachnum sphaericum

Dieses Moos gedeiht gerne auf feuchten Kuhfladen und ist daher auf Almböden zu finden. Das Bild im Voldertal ist auf etwa 1940 Metern Seehöhe entstanden, zu finden soll dieses Moos aber bis auf über 2500 Meter Seehöhe zu sein.

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Bunte Moosgesellschaft auf einer Kuhflade

An dem Fundort gedeiht auch noch ein weiteres Dungmoos mit länglichen und hellgrünen Sporenkapseln

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Dungmoos mit länglichen Sporenkapseln und roter Seta (Kapselstiel)

Kugelförmige Kapseln gibt es nicht nur beim Kugelfrüchtigen Schirmmoos, so haben auch die Apfelmoose ihren Namen von ihren runden Sporenkapseln, welche die Namensfinder offensichtlich an Äpfel erinnert haben. Eines davon ist das Straffblättrige Apfelmoos Bartramia ithyphylla. Dieses Moos ist vor allem in den Zentralalpen häufig, wo es bis auf 3400 Meter Seehöhe vorkommt. Es liebt kalkarmen Untergrund und kommt gerne auf steinigen und steilen Hängen vor.

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Bartramia ithyphylla in der Nähe vom Stiftsalm Hochleger

Ebenfalls auf silikatischem Gestein und in den Zentralalpen fühlt sich das Große Bandmoos Amphidium mougeotii wohl.

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Polster von Amphidium mougeotii

Es wächst in höheren Lagen in feuchten und schattigen Nischen und Spalten, in tieferen Lagen nur in feuchten Schluchten. Im Bereich von Schwarzbrunn ist es auch auf Steinen im Voldertalbach zu finden.

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Die sternförmigen Pflänzchen von Amphidium mougeotii

Am gleichen Standort kommt hier noch ein ähnliches Moos vor, das Dichte Urnenmoos Anoectangium aestivum. Seine Blätter sind aber weniger länglich als die vom Großen Bandmoos.

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Anoectangium aestivum, ebenfalls bei Schwarzbrunn

Ebenfalls bei Schwarzbrunn findet man auch das Zierliche Scheinbirnmoos Anomobryum concinnatum. Dieses Moos bevorzugt schattige und feuchte Standorte. Dort wächst es auf Erde und feuchtem Silikatgestein. Selten findet man das Moos auch auf Kalkgestein. Während es in den Zentralalpen immer wieder und bis auf 2700 Meter Seehöhe wächst, kommt es in den Kalkalpen nur sehr selten vor.

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Anomobryum concinnatum auf einem der Felsen bei Schwarzbrunn

Ebenfalls kalkfreie Standorte bevorzugt das Flaschenmoos Blasia pusilla. Im Gegensatz zu den oben besprochenen Arten ist es kein Laub- sondern ein Lebermoos. Zu erkennen ist es an auffallenden flaschenartigen Gebilden, welche die Brutkörper enthalten. Das Moos kommt an Rändern von Wegen- oder Äckern sowie auf Böschungen vor. In Gebieten mit intensiver Landwirtschaft ist das Moos selten. Im Voldertal ist es etwa an der Voldertalstraße zu finden.

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Blasia pusilla an der Böschung der Voldertalstraße knapp unter dem kleinen Kraftwerk bei der Voldertalhütte

Während das Flaschenmoos auch vom Laien als Lebermoos erkannt wird, ist das bei den beblätterten Lebermoosen nicht ganz so einfach. Zu diesen Moosen gehören etwa die Moose der Ordnung Jungermanniales, ein Vertreter dieser ist das Helle Jungermannmoos Jungermannia hyalina

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Jungermannia hyalina an der Voldertalstraße oberhalb der Voldertalhütte

Ebenfalls zu den beblätterten Lebermoosen gehört das Großzellige Ungleichlappenmoos Tritomaria exsectiformis.

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Tritomaria exsectiformis, hier zwischen Stiftsalm und Stiftsalm Hochleger

Der Beitrag soll ein erster Einblick in die Mooswelt im Voldertal sein, dem im Laufe der nächsten Monate noch ein paar folgen werden. Mein Vater hat mittlerweile ein ansehnliches Archiv an Moosbildern beisammen, einen Teil davon hat er auch auf Wikimedia Commons gestellt, das ist die zentrale Medienseite, von der die verschiedenen Wikipedias ihre Bilder beziehen. Hier der Link zu seinen Bildern und seiner Seite auf Wikimedia Commons.

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