Der Bergbau im Voldertaler Eisenkar

Der Bergbau im Voldertaler Eisenkar teilt das Schicksal vieler alpiner Bergbaue. Trotz des hochwertigen Erzes kam der Bergbau nie richtig in die Gänge, weil er zu hoch und zu entlegen lag. Dennoch zeugen heute noch Spuren vom einstigen Bergbau und von der Suche nach dem Erz. Zu finden ist dieser Bergbau im hinteren Voldertal östlich der Melkböden, die oberhalb der Steinkasern-Alm liegen. Ich habe die Gegend hier im Sommer 2017 zwei Mal aufgesucht, einmal Ende Juni und ein zweites Mal Mitte August. Normalerweise ist Ende Juni zu früh in dieser Höhe, aber nach dem schneearmen Winter und dem warmen Frühjahr gab es hier nur mehr wenige Schneereste.

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Dieser See kann zur Orientierung dienen um die ehemaligen Bergbaubereiche leichter zu finden

Eine gute Orienterierungshilfe bei der Suche nach den Spuren des Bergbaus ist der See, der in der österreichischen Bundeskarte knapp unter der 2.360-Meter-Höhenlinie eingezeichnet ist. Am besten nimmt man vom Stall auf dem Melkboden den Karrenweg in Richtung Süden, ehe man über die Hänge in Richtung Osten zum See hinaufsteigt.

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Von diesem See folgt man dem Tal weiter aufwärts

Beim genauerem Hinschauen ist dieser See eigenartig. Wie ein übervolles Plantschbecken läuft er über einen Felsriegel in ein danebenliegendes Bachbett aus, um dann gemeinsam mit dem Bach an Ort und Stelle im Untergrund zu verschwinden. Erst weiter unten kommt der Bach wieder zum Vorschein. Folgt man vom See dem Bach und dem Tal in Richtung Osten, kommt man nach gut 80 Höhenmetern zu einer weiteren kleinen Lacke.

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Rund um diese Lacke spielte sich ein Teil des Bergbaugeschehens im Voldertaler Eisenkar ab. Nach der Schneeschmelze blüht hier die Zwergsoldanelle (Soldanella pusilla)

Um diese Lacke herum dürfte sich ein Großteil des Bergbaus im Eisenkar abgespielt haben. Eine gute Beschreibung des Bergbaus, der auch ich hier weitgehend folge, hat der Archäologe Burkhard Weishäupl geliefert. Er hat gemeinsam mit dem Volderer Ortschronisten Karl Wurzer und dem Obmann der Agrargemeinschaft Volders Hermann Angerer das Gebiet im Jahr 2013 begangen.

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Das rotbraune Eisenerz hebt sich deutlich vom umgebenden Marmorgestein ab

Im Bereich südlich der Lacke fallen selbst dem ungeübten Auge zumindest drei Plätze auf, an denen das rotbraune bis schwarze Eisenerz auf kleine Brocken zerkleinert herumliegt. Das dürften sogenannte „Pochplätze“ sein, wo die Knappen das Eisenerz zerkleinert und vom tauben Gestein getrennt haben. Schon aufgrund seiner Farbe hebt sich das Erz deutlich vom umgebenden beige- bis ockerfarbenen Marmor, beziehungsweise vom grauen Phyllitgestein ab.

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Einer der Pochplätze im Umkreis der Lacke

Östlich davon fällt ein dunkler Felsriegel auf, den Gesteinsschutt davor identifizierte Weishäupl als Abraumhalde. Mit großer Wahrscheinlichkeit befindet sich unter dem Schutt der Eingang zu einem Stollen. Möglicherweise war das der St. Josephi-Stollen, zu dem vom Bergbau im gegenüberliegenden Mölstaler Eisenkar ein Verbindungsstollen vorgetrieben hätte werden sollen, der aber nie zustande kam.

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Am Fuß dieses Felsriegels vermutet Burkhard Weishäupl einen Stolleneingang

Einige Zehnermeter westlich der Lacke fällt ein Felsblock mit geschichteten Steinmauern auf. Das sind die Reste einer Knappenhütte. Burkhard Weishäupl fand hier eine Feuerstelle und sammelte Material zur Altersbestimmung. Laut Weishäupl dürften die Proben wahrscheinlich aus den Jahren 1728 bis 1810 stammen, doch auch die Zeit von 1643 bis 1692 will er nicht ausschließen. Schriftliches ist vom Bergbau im Voldertaler Eisenkar kaum überliefert, zum ersten Mal erwähnt wird er aber im Jahr 1660.

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Die Reste der Knappenhütte

In dem ebenen Platz bergseitig der Knappenhütte sieht Weishäupl eine künstlich eingeebnete Fläche. Es könnte sich um ein Lager oder um ein Pferch für das Vieh gehandelt haben um es dort in der Nacht unterzubringen.

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Links beim großen Steinblock die Knappenhütte und vor bzw. links der Lacke mehrere Pochplätze

Weitere Zeugen des Bergbaus sind etwa 250 Meter weiter westlich zu finden. Zwischen diesen beiden Orten fällt eine langgestreckte Felsbank auf, der Marmor an ihrem unteren Ende wird oben von Phyllit überlagert.

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Marmor, überlagert von hier dunkler erscheinendem Silikatgestein

Um diese zweite Stelle zu finden, kann man sich wieder an dem schon oben erwähnten See orientieren. Von der Stelle, wo das Wasser des Sees überläuft, geht man etwa 60 Höhenmeter den Hang empor, dorthin wo die von Ost nach West streichende Bergflanke an einer Geländekante nach Süden umbiegt. Hier findet man an der Westseite eine kleine Nische, in der sich rechts ein Stolleneingang befindet und links offensichtlich ein Stollenanschlag versucht, aber schon nach wenigen Dezimetern wieder aufgegeben wurde.

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Wo die weiße Steinplatte liegt, blieb es offensichtlich beim Versuch einen Stollen anzuschlagen

Aber auch der Stollen rechts führt nur wenige Meter in den Berg hinein, wo er eine kleine Kaverne bildet. Auch hier dürfte es beim Versuch geblieben sein, ernsthaft Bergbau zu betreiben.

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Nur wenige Meter geht es hier in den Berg hinein

Ähnlich stellt sich die Situation wenige Meter unterhalb dar. Hier führt eine mehrere Meter lange Rinne deutlich erkennbar zu einem ehemaligen Stolleneingang. Auch hier vermutet Weishäupl, dass ein Probeabbau bald wieder aufgegeben wurde. Darauf deutet auch die geringe Menge an Abraum im Bereich vor dem Stollen hin.

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Auch hier dürfte man nicht über einen kurzen Probestollen hinausgekommen sein

Geologisch befinden sich die Erzvorkommen in einer ähnlichen Position wie im Bergbau beim Volderwildbad. Die Eisenerze sind an Marmor gebunden, in den sie linsenförmig eingelagert sind und maximal wenige Meter mächtig werden. Das Erz erreicht teilweise sehr hohe Eisengehalte. Nichtsdestoweniger gelten die Lagerstätten in diesem Bereich heute als nicht abbauwürdig. Die Marmorlagen ziehen sich vom Mölstaler Eisenkar durch das Voldertal hindurch in Richtung Westen bis ins Arztal hinein. Im Gelände sind sie als gelbbraunes Band zu erkennen, was auch Wanderern am Steig unterhalb des Naviser Jöchls auffallen dürfte. Wo er weniger der Verwitterung ausgesetzt ist, erscheint der Marmor weiß- bis graufarben.

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In dem feuchten und schattigen Gelände des Eisenkars fühlt sich der Fetthennen-Steinbrech wohl

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