Bergbau Volderwildbad

Im Voldertal hat es früher zumindest zwei Bergbaue an Lagerstätten gegeben, die mehr als eine Rucksacklagerstätte waren. „Rucksacklagerstätten“ sind eine  Bezeichnung für extrem kleine Lagerstätten, deren Erz man quasi in einen einzigen Rucksack packen kann. Einer dieser beiden größeren Bergbaue lag nahe beim Volderwildbad, der andere im südwestlichen Talschluss, im Eisenkar. Schon die Lage der Stollen bei Volderwildbad macht klar, dass sich die Knappen ihr Brot hart verdienen mussten. Die Stollen liegen in einer steilen und mit Felsen durchsetzten Rinne. Heute sind drei Stollen zu finden, der längste von ihnen misst vielleicht 30 Meter, die anderen beiden kommen auf keine zehn Meter.

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Der mittlere und längste der Stollen vom Mundloch gesehen

In den 1970er Jahren hat Herbert Wenger diesen Bergbau untersucht. Hier finden sich sein Bericht und Lageskizzen. Die Stollen liegen oberhalb des Antoni-Bildstocks an der Straße von Volderwildbad nach Windegg. Allerdings empfehle ich nicht den direkten Anstieg durch die Rinne. Müheloser geht es, wenn man kurz dem Steig zur Stiftsalm folgt und etwa 40 Meter nach einem Bildstock an einem Baum rechterhand auf eine Steigspur wechselt, die unter ein paar Schrofen hindurch ansteigend zu der Rinne zurückführt.

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Blick zurück zum Mundloch im mittleren Stollen

Fünf Meter vor der felsigen Rinne öffnet sich bergseitig das große Mundloch des untersten Stollens. Wenige Meter links oberhalb davon ist auch die Öffnung des zweiten und längsten Stollens leicht zu finden. Etwas versteckter liegt der dritte Stollen. Zu ihm quert man vom mittleren Stollen einige Meter nach links und steigt dann etwa zehn Höhenmeter den steilen und im Sommer sehr verwachsenen Hang hinauf.

Wasser in Stollen
Wasser am Ende des längsten Stollens

Das kleine Mundloch liegt unter Gestrüpp verborgen und ist leicht zu übersehen.  Ich habe dieses Loch und den engen Stollen erst im dritten Anlauf gefunden, nachdem ich mir den Lageplan von Herbert Wenger nochmals genauer angeschaut habe. Der mittlere Stollen ist hingegen geräumiger. Er führt zuerst einige Meter waagrecht in den Berg hinein um dann schräg nach rechts unten abzufallen, bis er im Wasser verschwindet. In diesen beiden Stollen dürfte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Silber, Alaun, Schwefel und Vitriol abgebaut worden sein.

Mundloch hinter Gebüsch
Das kleine Mundloch des am höchsten gelegenen Stollens ist nicht ganz leicht zu finden

Für den untersten Stollen braucht man nicht einmal eine Lampe, der geräumige und hohe Stollen endet nach wenigen Metern. Während die oberen beiden Stollen im Quarzphyllit angelegt wurden, wurde der unterste in eisenhaltigem Marmor vorgetrieben. Abgebaut wurde hier im 17. Jahrhundert Eisenkarbonat, sogenanntes „Spateisen“.

Rotes und gelbliches Gestein
Der untere Stollen wurde im eisenhaltigen Karbonatgestein vorgetrieben

Die Erze dieser Lagerstätte stammen aus dem Erdaltertum, dem Paläozoikum, genauer gesagt aus dem Silur. Sie sind etwa 430 Millionen Jahre alt. Damals wurden in einem Meer Tone, Sand und wechselweise auch karbonatische Gesteine abgelagert. Auch vulkanische Ablagerungen kommen immer wieder vor. Geologen sprechen von einem „Back-Arc-Basin“, einem Meeresbecken an der Rückseite eines Inselbogens, vergleichbar heute etwa mit dem Meer zwischen Japan und Korea. Durch die Metamorphose wurden aus den Tonen und Sand Phyllit oder Quarzphyllit und die karbonatischen Gesteine zu Marmor. Sie gehören heute alle zum „Innsbrucker Quarzphyllit“, der also keineswegs nur aus Quarzphyllit besteht, sondern einfach nach dem dominierenden Gestein benannt wurde.

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